Kommentar: Sicherheitstheater führt zur Terrorhysterie

Das Denkmal für die Opfer des Wiesn-Attentats 1980

Der Sicherheitszaun um das Oktoberfest ist vor allem eines: Aktionismus, um einer diffusen Angst vor Terror entgegenzuwirken. Er bewirkt aber genau das Gegenteil: die Angst wird verstärkt, ohne dass es einen Grund dafür gibt.

Auf der diesjährigen Wiesn werden Rucksäcke mit einem Volumen von mehr als 3l verboten. Das Verbot soll durchgesetzt werden, indem um die Theresienwiese ein Zaun gezogen wird und an den Eingängen das Verbot durchgesetzt wird. Zusätzlich soll es Taschenkontrollen geben. Wer einen größeren Rucksack mitbringt, soll ihn in ein Schließfach einsperren.

Mit dieser Aktion hat die Stadt München unter der Regie des zweiten Bürgermeisters Josef Schmid (CSU) aber ein Eigentor geschossen: Anstatt die Bevölkerung mit dem Sicherheitstheater zu beruhigen und die Angst vor Terror zu nehmen, wächst die Angst eher noch. Ein Verein hat aus Angst um die Sicherheit die Teilnahme am Trachtenumzug abgesagt. Tolle Leistung!

Die Münchener Polizei musste extra eine Pressemitteilung veröffentlichen, dass es keine konkrete Terrorgefahr gibt. Die Sicherheitslage ist nicht schwieriger als in den vergangenen Jahren. Warum also jetzt ein Zaun um die Wiesn?

Alleine der Aufwand ist unglaublich: Bei mehr als 400.000 Besuchern in Spitzentagen muss man wohl mehrere 10.000 Schließfächer verfügbar halten. Wie man nach einigen Mass Bier das eigene Fach noch finden soll, weiß wohl auch niemand von den Verantwortlichen. Für die Ordner müssen zusätzlich 3,6 Millionen Euro ausgegeben werden. Und das alles nur für ein Sicherheitstheater, das genau das Gegenteil bewirkt.  

Mit den Taschenkontrollen kann verhindert werden, dass eine Bombe auf die Theresienwiese geschleust werden kann. Die Massen, die sich aus dem U-Bahnhof oder vom S-Bahn-Halt über die Hackerbrücke einströmen, werden nicht zusätzlich geschützt. Für dieses Sicherheitstheater müssen jetzt alle lange Schlangen an den Eingängen in Kauf nehmen, damit sich noch größere Massen vor den Eingängen aufhalten. Absurd!

Man darf nicht vergessen, dass der blutigste Terroranschlag in der Bundesrepublik Deutschland der Anschlag von Rechtsradikalen auf Oktoberfestbesucher 1980 war. Wo die Bombe explodierte, steht heute ein Denkmal. Es wird sich außerhalb des Sicherheitszauns befinden.


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