Blog Presse

Tag des inhaftierten Schriftstellers in München

Danke an alle, die am gestrigen 15. November, dem Tag des inhaftierten Schriftstellers abends auf dem Max-Joseph-Platz mit uns gefroren, gelesen und „Die Gedanken sind frei“ gesungen haben. Vorgetragen wurden Gedichte von Moris Farhi, Heinrich Heine, Getrud Seehaus, Alina Wituchnowskaja, Shi Tao, Faraj Bayrakdar und Amer Mattar und ich möchte allen Autoren und Übersetzern danken, die ihre Texte unentgeltlich zur Verfügung gestellt haben.

Statt weiterer Worte gibt es einige Fotos des Abends und eine Fallbeschreibung. Fallbeschreibungen dienen dazu, Druck auszuüben, das Unrecht öffentlich zu machen, denjenigen, die Menschen für ihre Meinung bedrohen, inhaftieren, foltern und töten, klarzumachen, daß ihre Taten von einer breiten Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Manchmal kommen Menschen dadurch frei und können ein neues Leben anfangen und ihre politische oder schriftstellerische Arbeit wieder aufnehmen. Bitte nehmt diese Briefe ernst. Für uns ist es nur das Aufsetzen eines Briefes und Gang zum Briefkasten, für einen Gefangenen kann es Erleichterung von Haftbedingungen, Zugang zu Familie und Rechtsvertretern, bessere medizinische Versorgung und – hin und wieder – sogar die Freilassung bedeuten. Bitte formuliert den Brief in einem höflichen, aber bestimmten Tonfall. Empörung hilft den Inhaftierten nicht, eine Flut von Briefen tut es. Wenn Ihr Hilfe beim Formulieren braucht, helfe ich gerne. Bitte gebt eine Kopie jedes geschriebenen Briefes an mich oder den International PEN weiter, es ist wichtig, um die Briefaktionen zu dokumentieren und ihre Auswirkungen abschätzen zu können.

Shiva Nazar Ahari, Iran, Journalistin, Menschenrechtsaktivistin und Bloggerin

Wenn dein Herz um die Freiheit eines anderen Menschen zittert, ist das der Moment des Abgleitens; dann beginnen die Verhöre. Wenn Dein Herz wegen eines anderen Gefangenen zittert, wegen einer Frau, wegen eines Kindes, das zu schwerer Arbeit gezwungen wurde, dann wirst du angeklagt. Wenn du an Menschen glaubst, an die Menschlichkeit und an nichts sonst, dann begehst Du Dein erstes Verbrechen. (Aus einem Brief Shiva Nazar Aharis an eine Mitgefangene)

Shiva Nazar Ahari, Journalistin, Menschenrechtsaktivistin und Bloggerin, ist aufgrund ihrer Berichte zur Menschenrechtslage und ihrer friedlichen Protestaktionen zu einer vierjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Der Internationale PEN vertritt die Au assung, daß sie ausschließlich aufgrund der friedlichen Ausübung ihrer Meinungsfreiheit gemäß dem Artikel 19 des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte, der 1975 vom Iran rati ziert wurde, inhaftiert und verurteilt worden ist, und ruft zur sofortigen und bedingungslosen Freilassung von Shiva Nazar Ahari auf.

Shiva Nazar Ahari, 28 Jahre, ist eine preisgekrönte Menschenrechtsaktivistin und ein Gründungsmitglied des Committee of Human Rights Reporters (CHRR). Sie wurde am 8. September 2012 vorgeladen, um die vierjährige Haftstrafe im Evin-Gefängnis anzutreten, zu der sie aufgrund ihrer angeblichen Teilnahme an politischen Versammlungen im Jahr 2009 verurteilt wurde. Die Vorwürfe bei ihrer Festnahme am 14. Juni 2009 auf einer Protestkundgebung gegen die umstrittene Präsidentenwahl lauteten „Kriegführung gegen Gott“, „Propaganda gegen die Regierung“, „Vergehen gegen die nationale Sicherheit“ und „Störung der öff entlichen Ordnung“.

Shiva Nazar Ahari wurde am 13. Oktober 2009 gegen Kaution freigelassen, am 20. Dezember 2009 erneut verhaftet und bis zum 12. September 2010 in jenem Trakt 209 des Evin-Gefängnis festgehalten, der dem iranischen Geheimdienstministerium untersteht. Am 4. September 2010 wurde sie von einem Bezirksgericht zu 74 Peitschenhieben und sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Die Strafe wurde in einer Berufungsverhandlung auf 4 Jahre vermindert und Shiva Nazar Ahari in das Rajaee Shahr-Gefängnis verlegt. Shiva Nazar Ahari wurde aufgrund ihres friedlichen Widerstand und ihrer Berichte über Menschenrechtsverletzungen im Iran seit 2002, seit ihrem 18. Lebensjahr, mehrmals zu Gefängnisstrafen verurteilt.

Das Committee of Human Rights Reporters (CHRR) wurde 2005 gegründet. Seine Kampagnen prangern vielfältige Menschenrechtsverletzungen im Iran an; gegen Frauen, Kinder, Gefängnisinsassen, ethnische Minderheiten und Arbeiter. Seit der Proteste gegen die Präsidentenwahl im Juni 2009 ist die Organisation in den Fokus des iranischen Staates geraten.  Jegliche Zusammenarbeit mit dem CHRR wird als Straftat betrachtet. Einige Mitglieder des Komitees haben aus Angst um ihre Sicherheit das Land verlassen, mindestens acht seiner Mitglieder be nden sich seit November 2009 in Haft.

Weibliche Journalistinnen und Aktivistinnen stehen an der Spitze des Kampfes um Menschenrechte im Iran. Viele von ihnen wurden gezwungen, ins Exil zu gehen, wie die Nobelpreisträgerin Shirin Ebadi, die Gründerin des Zentrums zur Verteidigung der Menschenrechte und die Herausgeberin Parvin Ardalan, welche die Kampagne „Eine Million Unterschriften“ mitbegründet hat. Zahlreiche weitere Frauen sind im Iran als Straftäterinnen verurteilt oder inhaftiert worden, wie etwa die Anwältin und Journalistin Nasrin Soutadeh, die Journalistin Jila Baniya’ghoub und die Menschenrechtsaktivistin und Journalistin Nargess Mohammadi.

Bitte schreiben Sie einen Brief:

  • Protestieren Sie darin gegen die widerrechtliche Inhaftierung der Menschenrechtsaktivistin Shiva Nazar Ahari, welche ausschließlich aufgrund ihres friedlichen Engagements für die Meinungsfreiheit erfolgte.
  • Verlangen Sie ihre unverzügliche und bedingungslose Freilassung in Übereinstimmung mit dem Artikel 19 des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte, den der Iran am 24. Juni 1975 rati ziert hat
  • Verlangen Sie die Zusicherung, daß Shiva Nazar Ahari jederzeit von ihrer Familie besucht werden kann und vollumfänglichen Zugang zu medizinischer Versorgung erhält.

Bitte richten Sie Ihr Schreiben an:

Den obersten Führer der Islamischen Republik
Seine Exzellenz Ayatollah Sayed Ali Khamenei,
Büro des Obersten Führers
Shoahada Street,
Qom, Islamische Republik Iran

Den Leiter der Justiz
Ayatollah Sadeqh Larijani
Howzeh Riyasat-e Qoveh Qazaiyeh (Büro des Leiters der Justiz)
Pasteur St., Vali Asr Ave., south of Serah-e Jomhouri
Teheran 1316814737, Islamische Republik Iran

Bitte richten Sie Kopien an:

Seine Exzellenz Mahmoud Ahmadinejad
Präsident des Iran
Palestine Avenue
Azerbaijan Intersection
Teheran, Islamische Republik Iran

Bitte schicken Sie eine Kopie Ihres Schreibens an den jeweiligen Vertreter Irans in Ihrem Land.

Weitere Informationen und Fälle finden Sie auf der Website des Internationalen PEN: http://www.pen-international.org/day-of-the-imprisoned-writer-2012/

 (Übersetzung der Fallbeschreibung: Nadine Englhart, Fotos: Markus Breitfeld)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.