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„Frauen haben die Wahl“ – ein Erlebnisbericht von Rebecca Wißner

Gestern war ich zum ersten Mal zu einer Podiumsdiskussion eingeladen.

Der siaf e.V., ein Verein von Frauen für Frauen, veranstaltet schon seit 1992 jährlich eine solche zu dem Thema „Frauen haben die Wahl„. Dazu laden sie immer Vertreterinnen der verschiedenen Parteien ein. Dieses Jahr auch mich für die Piratenpartei.

Was es alles zu beachten gibt, habe ich schon ein bisschen im Vorfeld gemerkt. Informationen werden einem nicht auf dem Silbertablett präsentiert. Man muss nachfragen, wer sonst noch eingeladen ist. Man muss nachfragen, was die Themen sind.

Das habe ich gemacht. Ich habe mich vorbereitet. Ich habe mir angeguckt, wer meine Mit-Diskutantinnen sind, was zu den genannten Themen die Standpunkte sind, was es dazu gerade so in der Presse gibt, was für Zahlen ich wissen sollte.
Ich habe mir vorher die Positionen der Piraten angesehen und meine persönlichen Standpunkte überlegt.

Etwas nervös kam ich am Veranstaltungsort, dem Café Glanz, an, wurde aber freundlich empfangen. Meinen Freund durfte ich aber nicht mitbringen – Zutritt war nur für Frauen. Das erste Thema noch vor der Diskussion: Frau Prof. Ursula Männle, die als Vertreterin der CSU eingeladen war, hatte kurzfristig abgesagt. Schon ein seltsamer Zufall, wo doch am gleichen Tag – dank FDP und CDU/CSU – der Gesetzesvorschlag für eine Frauenquote abgelehnt worden war.

Die Moderatorin, Politologin Martina Kaiser, stellte uns vier nacheinander vor. Als Vertreterin der SPD war Claudia Tausend anwesend, die Vertreterin der Grünen war Katharina Schulze und Brigitte Wolf war für die Linke eingeladen. Zu guter Letzt wurde auch meine Wenigkeit vorgestellt. Das war schon ein seltsames Gefühl, sich selbst in diese Riege eingereiht zu sehen.

Das erste Thema: Frauenquote. Hier war ich die einzige, die sich gegen eine langfristige Quote aussprach, schließlich hatten wir diese Position ja auf dem letzten Landesparteitag beschlossen (siehe Gamechanger). Allerdings war ich auch die einzige, die andere Argumente als nur „Wir brauchen die Quote, weil“ brachte. Ich habe auf frühkindliche Bildung und Erziehung angesprochen und habe anonymisierte Bewerbungen vorgeschlagen, die Frau Tausend nicht für hilfreich erklärt hat. Schließlich würden sich ja keine Frauen bewerben. Eine Zuschauerin aus dem Publikum nahm mir dann meine Gegenfrage weg: „Was bringt uns denn dann überhaupt eine Quote, wenn es keine Bewerberinnen gibt?“

Das nächste Thema war die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Auch hier herrschte wieder großer Konsens. Wir alle waren dafür, dass sich etwas ändern muss. Arbeitszeiten sollten familienfreundlicher werden und ebenso muss mehr für die Betreuung der Kinder getan werden.

Das letzte Thema des Abends war der heiß umstrittene Gender Pay Gap – also der Unterschied zwischen den Gehältern von Männern und Frauen. Ohne Männer und ohne konservative Vertreter, ist der jedoch nicht so wirklich heiß umstritten. Wir waren uns alle einig, dass es ihn gibt und dass Transparenz der Löhne ein wichtiger Schritt ist, ihn zu senken.

Themen wie Altersarmut, die Abschaffung des Ehegattensplittings oder das Bedingungslose Grundeinkommen wurden nur am Rande angeschnitten. Man hätte aber vermutlich noch weitere 2 Stunden problemlos füllen können.
Schade fand ich nur, dass keine CSU Vertreterin da war. Die hätte dem Ganzen vielleicht noch eine gute Würze gegeben.

Alles in allem war es zumindest in meinen Augen ein gelungener Abend und ich habe festgestellt, dass mir Podiumsdiskussionen Spaß machen. Ein großes Dankeschön an die Veranstalterinnen für die Einladung, an die Besucherinnen und Wählerinnen für ihre Aufmerksamkeit – aber auch an Frau Tausend, Frau Wolf und Frau Schulze für die interessante Diskussion.

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